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Alt 03.10.2017, 19:43   #1
Horst Sergio
Mattenfundamentalist
 
Dabei seit: 07/2005
Ort: im Schoße des bayerischen Seenlandes
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Standard Ausrüstung für Foilanfänger: Hersteller unabhängige Fragen und Antworten

Hallo miteinander,

nachdem der Trend zum Umstieg aufs Foil weiter anhält, aber viele Diskussionen von Empfehlungen des jeweils eigenen Materials, des im eigenen Shop oder des Spezls angebotenen Herstellers und anderer Abhängigkeiten geprägt sind ... im Folgenden mal mein Versuch die Anforderungen möglichst allgemein anhand häufiger Fragen zu erläutern.

Prinzipiell ist der schnellste und effektivste Weg aufs Foil inzwischen der Besuch einer Schule mit entsprechendem Praxishintergrund. Für erfahrenere Kiter ist aber auch der autodidaktische Weg mit gewisser Anleitung in Ordnung.


Welches eigenes Können ist für den Foileinstieg erforderlich?
Wichtig, für einen sicheren autodidaktischen Einstieg, ist eine sehr gute Schirmbeherrschung, da es beim Foileinstieg häufiger zu Situationen kommen kann wie Leichtwindstart, Foil in den Leinen, usw. in denen man intuitiv, schnell und korrekt seinen eigenen Schirm beherrschen muss. Mit dem Foileinstieg gleich auf einen neuen Kite wie eine Matte umzusteigen ist entsprechend nicht empfehlenswert und "Auslösen!" sollte nicht die Standardreaktion sein, um Situationen wie zusammen geflogene Schirme oder eben Foils in den Leinen zu lösen. Nicht nur da man beide Situationen damit ggf. noch schlimmer macht, sondern weil es Anzeichen sind, dass das Vertrauen in die eigene Schirmbeherrschung noch nicht so tief sitzt.

Kann ich meine Foil und Board Kombi herstellerunabhängig zusammenstellen?
Ja. Am sichersten ist man natürlich bei einem Hersteller für beides, aber auch eine Zusammenstellung kann sinnvoll sein, wenn der eine Hersteller das passendere Brett und der andere das bessere Foil liefert. Bei Anschüssen mit Platte ist seit ca. 2016 eine etwa 90% Kompatibilität gewährleistet, da fast alle Platten eine Lochstichbreite von 90 mm bzw. viele Boards Schienen mit 90 mm Abstand anbieten. Auch die Position des Foils zu den Schlaufen ist hierüber und mittels variablem Schlaufenlochstich meist ausreichend anpassbar. Im Zweifel ggf. hier nochmal nachsehen:
http://www.kiteforum.com/viewtopic.php?f=196&t=2393443
Einige Hersteller bieten auch Adapter auf die häufigste Platte mit 165 x 90 mm.

Sind konvertible Boards sinnvoll?
In meinen Augen nur in Ausnahmefällen. Diese sind vornehmlich, wenn man ein Stehrevier direkt vor der Tür hat, wenn man viel mit dem Foil reisen will auch in Stehreviere und für manche Wellenreiter, die den Kompromiss, den sie auf beiden Seiten eingehen, akzeptieren.
In den meisten anderen Fällen sind konvertible Boards, die mit Foil oder Finnen gefahren werden können, in meinen Augen, primär Lockangebote der Hersteller an Anfänger, die sich einreden, dass sie damit immer noch in die "alte Welt" zurück können, wenn ihnen die Neue zu viel Angst macht. Sinnvoller ist hier aber in den ersten Wochen und Monaten im Notfall eher auf ein noch bestehendes altes Board wie TwinTip zurück zu greifen. Langfristig gesehen, kenne ich kaum Leute, die so weit sind mit Mittelklasse-Freeridefoils fliegende Wendemanöver zu beherrschen und dann nochmal auf ein Gleitboard zurück wollen.
An dieser Stelle sei auch nochmal darauf hingewiesen, dass man bei Hybridboards immer einen mehr oder weniger großen Kompromiss, häufig zu Lasten der Foils und auch derern Anfänger-Perfomance eingeht, aber dazu im Folgenden noch mehr.

Sollte ein Foilboard Volumen haben oder nicht und darf ein Sandwichboard flexen?
Hier gibt es keine eindeutige Antwort, aber eine eindeutige Tendenz zum Board mit Volumen, zumindest langfristig mit steigendem Können.
Volumenlose Boards in Sandwichbauweise haben den Vorteil relativ günstig und weitgehend unzerstörbar zu sein, was dem Anfänger erstmal entgegen kommt. Zusätzlich haben sie den Vorteil, dass das Starten am Anfang etwas leichter sein kann. Weiter gibt es auch für Könner Argumente wie geringeres Gewicht und Packmaß, die für Boards ohne bzw. mit geringem Volumen sprechen.
Viele der günstigen, volumenlosen Anfängerboards, insbesondere jene die als Hybride angeboten werden, haben allerdings das hausgemachte Problem bis zum vorderen Standbereich zu weich zu sein.
Eine Foilkombi muss im Sinne des Gefühls fürs Foil und damit auch der Anfängerfreundlichkeit eine möglichst steife Verbindung herstellen zwischen den vier Punkten: 2 x Standflächen hinten und vorn, Frontflügel und Heckflügel. Selbst die Kombination Fusspad mit dicken Schuhen, die auf dem Deck ca. 5 mm zusätzlichen Flex erzeugt kann sich schon spürbar negativ auswirken. Viele, wenn auch nicht alle Sandwichboards flexen aber zwischen Vorderfuß und Foilaufnahme bis zu 2 cm, was zu einem undefinierten, schwammigen Fahrgefühl führt. Den Flex kann man zumindestens grob im Laden testen. Der Flex vor dem vorderen Fuß, in der Nose, darf dagegen näherungsweise so weich sein wie er will, hierdurch wird die Auszugsbelastung der vorderen Foilfundamente bei Katapult Stürzen auf die Nose sogar verringert und damit das Boardfundament geschont.
Bei Herstellern, die ihre Hybridboards mit gutem Flex bei der Nutzung als normales Board bewerben, sollte man also zumindest ein großes Fragezeichen setzen. Meines Wissens gibt es bisher nur einen Hersteller, der so ehrlich ist und sein Sandwich Hybridboard für den Foilbetrieb mit einer zusätzlichen 1 m langen Verstärkungsplatte unter dem Standbereich versieht. Am Ende ist das auch ein Kompromiss, aber sicher besser als die meisten anderen.
Volumenboards und deren Vor- und Nachteile kennen ggf. einige von Waveboards, Windsurfern oder SUPs. Diese Boards sind zwar deutlich empfindlicher im Umgang, haben aber durch ihr Volumen mehrere Vorteile: Bei sehr wenig Wind können sie mit unter etwas früher anfahren, da das Volumen Auftrieb gibt. Weiter sind sie insbesondere bei der Verwendung mit Softkites eine wichtige Rettungsinsel, die sowohl den Relaunch als auch den Zusammenbau auf dem Wasser deutlich erleichtert. Auch das Touchdownverhalten bei angekanteter Fahrt ist deutlich besser.

Welche Shapes und Abmessungen sollten Foilboards haben?
Viele Foilboards orientieren sich immer noch an Shapes von normalen Boards. Tatsächlich haben Foilboards aber zum Teil sehr stark abweichende Anforderungen an Outline, Scoop, Rocker und Rails. Reine Anfängerboards, die wenn nicht gleich als Hybrid, aber doch häufiger bei Manövern auf dem Deck gefahren werden, können durchaus solche herkömmlichen Shapes haben.
Bei reinen Foilboards hängt die Form zunächst natürlich auch vom Stil von Wave, strapless Freestyle, Freeride bis Race ab. Prinzipiell sollte die Outline ihren breitesten Punkt aber weiter vorne haben, also nicht in der Mitte, sondern eher auf Höhe des vorderen Standbereichs. Die Nase sollte entsprechend voluminöser sein und kann vorne relativ stumpf abgeschnitten werden. Beim Scoop ist meist eine überproportional hohe und progressive Aufbiegung der Nose unabhängig von deren Länge sinnvoll, um Touchdowns besser abzufangen bzw. Unterschneiden zu vermeiden. Rocker sollte das Board dagegen insbesondere um die Platten-Foilaufnahme nicht haben, da die steife foilaufnahme-Platte das Brett hier sonst unter Schmerzen fürs Laminat gerade biegen wird. Bei den Rails von Volumenboards sind relativ große Rundungen im vorderen Bereich und insbesondere Abschrägungen über die ganze Länge sinnvoll, um steilere Fahrwinkel zu erlauben. Im hinteren Bereich sollte das Unterwasserschiff mit einer möglichst scharfen rechtwinkligen Kante abschließen, um die Strömung ähnlich wie bei Wind- und Kiteraceboards gut und widerstandsfrei abreißen zu lassen. Ein stark konvexes Oberdeck wie bei Wellenreitern ist eher ungünstig, da es den Fuß leichter rollen lässt und so, wie auch Deckpads das Gefühl fürs Foil verschlechtert. Davon abgesehen steht man auf einem Foilboard immer in der Normalen, Scherkräfte wie bei Gleitboards mit Finnen treten an den Füßen nicht auf, womit auch der Anspruch an den Grip auf dem Deck geringer ist. Aufgeraute Decks können sogar störend sein, da man sich hier beim Fahren im Sitzen, wenn man so weit ist, oder beim Sitzen zum Relaunch, den Neo aufscheuern kann.
Prinzipiell gilt am Anfang je größer desto einfacher (z.B. bis zu 160 x 50 cm). Sobald man kontinuierlich und auch durch alle Manöver fliegt, kann man ohne viel Kompromisse ans Lowend, praktisch so klein werden wie man möchte. Die Grenzen sind hier nur noch wie viel Nose-Länge man für das Retten von Touchdowns behalten möchte und wie viel Breite die Füße (je nach Schuhgröße) beim Fußwechsel zur Verfügung haben sollen. Mein nächstes Board wird voraussichtlich: NoNose 88 x 33 cm, 95 x 38 habe ich bereits erfolgreich getestet und für Leichtwind tauglich befunden. Deutlich über 30 Liter Volumen sollte man je nach Körpergewicht eher nicht gehen, da man sonst mit dem Körper so weit auftaucht, dass einem für den Relaunch im Leichtwind Driftwiderstand im Wasser fehlt.

Brauchen Einsteigerboards einen Schlaufenlochstich?
Sofern man sich sicher ist, strapless zu beginnen und dabei zu bleiben, was sehr sinnvoll ist, solange man nicht springen will, kann man auf Schlaufen natürlich verzichten.
Für alle anderen sollte man den Kompromiss, der dann etwas schwereren stabileren Boardkonstruktionen mit Schlaufenlochstich eingehen. Am besten aber keinen Kompromiss sollte man an die Positionen des Lochstichs machen. Der Lochstich sollte alle Optionen von einer Einzelschlaufe bis zur 3-fach Schlaufen Konstellationen anbieten. Auch sollte der Lochstich ein breites Feld an Optionen der Schlaufenabstände zu einander und damit auch der jeweils 2 Fundamente pro Schlaufe zueinander anbieten. Auf diese Weise hat man zum einen die Chance auch herstellerfremde Foils mit unterschiedlichem Druckpunkt anzupassen und am Anfang mit nur einer sehr flachen Zenterschlaufe zu beginnen, aber später auch mit einer vorderen doppel V Schlaufenkonstellationen Manöver wie die fliegende Wende zu lernen.

Geändert von Horst Sergio (26.10.2017 um 20:42 Uhr). Grund: orthografische Kosmetik
Horst Sergio ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 03.10.2017, 19:44   #2
Horst Sergio
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Beiträge: 1.840
Standard

... Ein sicher guter gefahrlosere Kompromiss zwischen Schlaufen und strapless können am Anfang Halbschlaufen bzw. Haken sein. Die Erfahrungsberichte zeigen aber, dass Haken unter Umständen zu mechanischen Überbeanspruchungen an den Boardfundamenten führen können und auch von Hakenbruch wird öfter berichtet. Daher im Zweifel lieber vorher den Foilboardhersteller bzw. Händler nach Kompatibilität der Schlaufenfundamente zu Haken fragen, um im schlimmsten Fall Gewährleistungsansprüche aufrecht zu erhalten und in den längeren Urlaub eher 1-2 Ersatzhaken zusätzlich mitnehmen.

Welches Material ist beim Foil für mich sinnvoll, Alu oder Carbon?
Es gibt inzwischen sehr viele, sehr gute Einsteiger bis Mittelklasse- bzw. Freeridefoils aus beiden Materialien. Prinzipiell ist Carbon im Schnitt teurer, empfindlicher aber eher leichter und leistungsorientierter. Daher ist am Anfang meist ein Alufoil etwas sinnvoller, aber ein Carbonfoil, wenn man vorsichtig damit umgehen kann und den Preis bezahlen will, auch nicht vom Tisch und ggf. upgradefähiger. Bei der Kombination Alu und Salzwasser muss man noch das Thema Korrosion bzw. einen etwas höheren Wartungs- bzw. Pflegeaufwand (Stichworte regelmäßige Demontage und Verwendung von Tefgel) im Blick behalten, was für die meisten aber nicht das Problem sein sollte.

Welche für Anfängerfoils relevanten Eigenschaften gibt es im Fahrverhalten?
Es gibt einfach gebaute Anfängerfoils, die einen sehr hohen Fahrwiderstand (auch "Drag") fast schon wie ein Gleitboard haben. Bei diesen Foils fällt zu einem großen Teil die schönste und wichtigste Sensation des Foilens, nämlich das nahezu widerstandsfrei Gleiten mit kleinen Kites bei geringstem Wind weg. Kommt man mit diesen Foils ins Fliegen bleibt der Widerstand fast gleich, anstatt rapide abzufallen, womit es auch fast keinen Vorteil für Leichtwind oder das Fahren kleinerer Kites gibt. Ein Anfängerfoil muss aber nicht zwingend einen besonders hohen Fahrwiderstand haben. Dieser wird meist durch schlechte hydrodynamische Kompromisse bzw. zu dicke Querschnitte und viel benetzte Fläche verursacht.
Nicht zu verwechseln ist ein hoher Fahrwiderstand mit der Fähigkeit eines Foils bei sehr geringer Geschwindigkeit tragen bzw. früh fliegen zu können. Das eine hat mit dem anderen nur indirekt zu tun. Anfängerfoils sollten auf jeden Fall früh tragen, etwa bei Fahrgeschwindigkeiten um ca. 16-18 km/h was natürlich sehr von Fahrergewicht im Verhältnis zur Flügelgröße abhängt. Gleichzeitig sollten aber auch Anfängerfoils wie genannt nicht zu viel Widerstand haben und so einen großen Geschwindigkeitsbereich zuzulassen, also nicht bei Geschwindigkeiten deutlich unter 40 km/h aufgrund des anwachsenden Fahrwiderstands abriegeln.
Ein niedriger Fahrwiderstand ist zusammen mit frühem Abheben der Schlüssel für Leichtwind, frühes Springen und viele Manöver.
Im Gegensatz zu einem Wave oder Freestylefoil, sollte ein Anfängerfoil relativ stark gedämpft in allen Achsen (Gier, Roll und Nick) sein. Insbesondere die Nickachse über die man die Flughöhe des Boards über dem Wasser kontrolliert, sollte für ein Anfängerfoil nicht zu nervös bzw. lebendig sein.
Weiter sollte ein Anfängerfoil möglichst unanfällige gegenüber Ventilation also dem Luftziehen des Mastes sein, genauso wie dem Luftziehen der Flügelspitzen beim Auftauchen. Beides sind aber eher schwierigere Themen, daher im Weiteren außen vor.
Also am wichtigsten:
Frühes Abheben, trotzdem nicht zu viel Fahrwiderstand, damit niedrigen aber breiten Geschwindigkeitsbereich und relativ stark gedämpft in der Bewegung, insbesondere in der Nickachse.

Und woran erkennt man das? bzw.:

Welche Foil Spezifikationen beeinflussen das Fahrverhalten auf welche Weise?
Vorwort: Sicher nicht alle genanten Abmessungen geben, das perfekte Mittel des heutigen Markts wieder, Ziel ist es nur etwas Orientierung zu geben, daher bitte nicht auf die Goldwaage legen. Vielen Dank

Für den Fahrwiderstand ist primär die bei der Fahrt benetzte Fläche und die gesamte Querschnittsfläche (beides mit halb eingetauchtem Strut, üblicherweise ca. 14 mm Dicke und 11 cm Profilsehne) verantwortlich. Auch noch wichtig ist der so genannte induzierte Widerstand, der vor allem durch runde wenig gestreckte Flügel (niedriges AR) erzeugt wird.
Prinzipiell müssen Anfängerfoils wie angesprochen in diesen Disziplinen nicht unbedingt besonders schlecht sein. Allerdings gehen kleine benetzte Flügelflächen kleine Profildicken und niedrige Profilkrümmungen auf Kosten der Abhebegeschwindigkeit und hoch gestreckte Flügel > 60 cm Spannweite, auf Kosten der statischen Lasten in der Konstruktion, weswegen man hier bei günstigen Anfängerfoils immer ein Stück von der besten Performance von Carbon-Racefoils weg sein wird. Auch möchte man bei Anfängerfoils keine extrem gestreckten Flügel mit gefährlich spitzen Enden.
Daher wird man am Anfang eher größere früh tragende Flügel mit Flächen von 600-1000 cm² fahren mit eher kleinerer Streckung (AR) von meist 3-5 und Dicken von ca. 15 bis 30 mm, zum Teil mit unterseitig gerader (am billigsten) oder sogar konkaven Profilkrümmung für mehr Auftrieb trotz kleiner Fläche.
Trotzdem breite Geschwindigkeitsbereiche erreicht man dabei durch insgesamt saubere Detaillösungen, wie sauber auslaufenden Profilen. Stumpf und lieblos mit Plastikstöpseln versehene Fuselage-Enden mit konstantem Querschnitt sind hier eher günstig als hilfreich, spitze Nasen dagegen nicht unbedingt zuträglich.
Eine hohe Dämpfung insbesondere in der Nickachse erreicht man in der Kombination aus einer steifen, möglichst langen Fuselage meist mit einem möglichst großflächigen Heckflügel. Leider erzeugen insbesondere die letzten beiden Punkte auch wieder mehr Drag, was ein weiterer Grund ist, dass Anfängerfoils nie die absoluten High-Performer sind.

Spielt das Foil- und Boardgewicht am Anfang eine Rolle?
Das Foilgewicht spielt am Anfang fast keine Rolle, solang man nicht springt. Am ehesten wird man es beim Tragen am Strand spüren. Größeren Einfluss auf das Fahrgefühl hat dagegen das Boardgewicht in Kombination mit dessen Länge also dessen Trägheitsmoment um die Nick und vor allem Gierachse. Hier können kurze leichte Boards für den Anfang bei Manövern ggf. sogar schwieriger sein. Tritt man bei einem Fußwechsel auf eine leichte Nose bzw. vordere Fußposition, wird sich ein leichtes Boards schneller zur Seite bewegen ein schweres langes Board dagegen mit einer trägeren Bewegung eine stabilere Landefläche für den Fuß bieten.

Welche Mastlängen sind sinnvoll und brauche ich ein Schul-Set?
In meinen Augen ist ein Schul-Set mit verschiedenen Mastlängen nur für besagte Schulen sinnvoll, das mag aber ein Stück eine persönliche Meinung sein, die es ggf. auch immer bleiben wird, da niemand sowohl mit kurzen als auch langen Masten gleichzeitig die komplette Lernphase durchlaufen kann. Ich selbst habe mit 103 cm angefangen.
Ich denke, dass der Beginn mit kürzeren Masten sinnvoll sein kann, für die meisten aber nur für 1-2 Stunden, womit der Kauf für die meisten vermutlich unrentabel ist.
Der Hintergrund warum viele Hersteller zunächst ausschließlich die von Alu-foils (meines Wissens nur ein Nachzügler mit Carbon) kurze Masten und Schul-Sets mit verschiedenen Längen anbieten:
Es ist ein interessantes und gutes Alleinstellungsmerkmal für Alufoils, bei denen das kürzere Abschneiden der Strutprofil-Meterware praktisch kaum Mehrkosten gegenüber nur einer angebotenen Strutlänge verursacht.

Für die meisten Einsteiger sollten Masten (auch Struts) zwischen 80 und 100 cm lang sein. Längere Masten mit bis zu 111 cm benötigt man nur bei Race orientiertem Fahren mit starker Schräglage bei gleichzeitig gestreckten Race-Flügeln. Kürzere Masten deutlich unter 80 cm werden zwar auch häufiger und auch manchmal von erfahreneren Kitern für Stehbereiche gepriesen. Meine Erfahrung ist aber, dass sie Manöver eher erschweren bzw. die Anzahl der möglichen Manöver wie z.B. 360er zum Teil stark einschränken. Von Welle habe ich aber kaum Ahnung, aber auch hier kenne ich Empfehlungen von 70 - 100 cm von guten Leuten.
Also alles von verschiedenen Faktoren und persönlich Präferenzen abhängig, sobald man fahren kann sind auch 110er prinzipiell kein Problem, aber sicher meist unnötig lang, teuer und ggf. auch schwammiger.
Ich selbst fahre:
- 110er fürs Freeracefoil ausschließlich, aber auch zum Freestylen.
- 96er als Kompromiss für besondere Bedingungen und Stiele
- 86er bald als Kompromiss, als Reise und wahrscheinlich meist nur Monofoil, da hier auch kürzere Masten noch gut funktionieren
- unter 80 cm würde ich aktuell nur fürs Wind- und Supfoil gehen.


Muss beim Kauf eine Tasche dabei sein?
Eindeutiges Ja, wenn man sie nicht selber baut. Die extreme Sperrigkeit des Foils in Kombination mit dessen harten, scharfen, empfindlichen Kanten und Spitzen ist prädestiniert dafür sich in Kürze entweder an Foil, Fahrzeug, Haustüren oder anderem so viel Schäden und Umstände zu erzeugen, dass eine Tasche praktisch immer vom ersten Tag an gerechtfertigt ist.
Was für eine Tasche muss man aber für sich im Einzelfall klären. In der Regel trennt man bei Autos kleiner einem Bus, Board und Foil ohne aber letzteres weiter zu zerlegen. Für diese Konfiguration sollte also am ehesten Schützer zumindest fürs Foil vorhanden sein. Einige herstellereigenen Schützer sind allerdings ungeeignet, da sie gerade an den empfindlichsten und schärfsten Stellen, keinen fest positionierten Schaum/Schutz, sondern nur eine Naht im Stoff haben, die praktisch vor gar nichts schützt. Wenn die Kleiderprobe fürs Foil past kann und sollte man hier also durchaus markenfremd gehen, oder näht bzw. bastelt sich die Protektoren selber, was auch kein Hexenwerk ist.

Geändert von Horst Sergio (26.10.2017 um 20:57 Uhr). Grund: Mastlängen und Tasche ergänzt; Danke für den Hinweis.
Horst Sergio ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 03.10.2017, 19:44   #3
Horst Sergio
Mattenfundamentalist
 
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Wie hilfreich sind Testberichte und Firmenpräsentationen für die Kaufentscheidung?
Natürlich geben beide Arten von Quellen Hinweise zu Stärken, Schwächen und Eigenheiten von Foils. Um wirklich nennenswerten Mehrwert zu bieten sollte man sie aber mit gewissen Filtern betrachten:
Obwohl ich in den letzten 3 Jahren um die 30 verschiedene Foils gefahren bin, würde ich mir kaum noch vergleichende Aussagen zu Foils aus ähnlichen Kategorien insbesondere zu Einsteigerfoils zutrauen, die ich nicht am selben Tag bei gleichen Bedingungen 1:1 gegeneinander gefahren bin. Da auch das Level der Tester zurzeit häufig noch stark variiert und schnell steigt sind somit Aussagen wie:
„Viel besser als das vor 6 Monaten getestete der Marke XY …“ sehr mit Vorsicht zu genießen, insbesondere wenn der Tester selbst erst seit 12 Monaten fährt. Direkte Vergleiche können dagegen durchaus Hinweise geben und hier muss die Aussage eines Einsteigers mit 6 Monaten Erfahrung über ein Einsteigerfoil nicht unbedingt viel schlechter sein, als die eines Profis, der im Zweifel alle Anfängerfoils nur noch als schmerzhaft lahm empfindet.
Auch das Aufhäufen technischer Spezifikationen und von Messwerten kann helfen, ist aber gerade für den Einsteiger nur extrem begrenzt auf Objektivität und Aussagekraft zu prüfen, weswegen hier außen vor.
Bei Videos, insbesondere denen von Herstellern sollte man sich eigentlich ausschließlich auf Nahaufnahmen des Fahrers von außen konzentrieren, am besten von Land oder zur Not von einer Leinenkamera.
Wie sich jeder denken kann, sind Dronenluftaufnahmen aus mehreren 100 m Entfernung von Foilern die geradeaus fahren, wenig aussagekräftig, egal wie hübsch die Szenerie ist. Genauso überspulen kann man technische Fachsimpelei auf der grünen Wiese über die neuste Entwicklung irgendwelcher Winglets oder anderer hydrodynamischer Details. Beurteilen kann man solche Details praktisch nie aus der Ferne. Der Grund für manch innovative, konstruktive Finesse dürfte dabei auch eher im Erzeugen eines Alleinstellungsmerkmals auf einem gut gefüllten Markt sein und das auch unabhängig von dessen hydrodynamischen Vor- oder mitunter auch Nachteilen. Ein technisch einfach gestricktes Foil mit einfachen Formen und geraden Flügeln muss nicht das schlechteste sein.
Wirklich Informationen bekommt man dagegen bei kritischer Betrachtung von Fahrsequenzen mit Manövern und Tricks. Auch hier muss man aber differenzieren. Sprünge geben meist kaum etwas übers Foil wieder. Ausnahmen mögen vielleicht sehr hohe Sprünge über 10 m mit Racefoils sein oder solche bei denen die Landungen immer raus geschnitten sind, da die Fahrer sie noch nicht beherrschen oder darüber ggf. die Statik überbeansprucht wird. Genauso wenig Aussage haben Handlepasses, die so respektabel sie insbesondere am Foil sind keine Aussage zur Fahrleistungen der Foils abgeben.
Echte Prüfsteine in Videos sind dagegen gefoilte Manöver die durchaus etwas zur Lebendigkeit oder Anfängerfreundlichkeit eines Foils zeigen. Werden z.B. mehrere Personen unterm Fahren auf einem Foil gestapelt, kann man davon ausgehen, dass weder die Statik noch die Fahrdynamik zu sensibel ist. Sieht man dann aber keine einzige Halse, könnte das Foil auch schon wieder zu gedämpft eingestellt sein. Genau anders herum ist es bei Foils die wild in der Wellen oder bei Landungen am Stand herum gerissen werden und damit sicher extrem leicht und agil sind, aber dafür ggf. weniger für Anfänger geeignet. Ein 360er mit 10 m Durchmesser der präzise um eine Boje gesetzt wird wäre weiter ein guter Nachweis, dass es sich um ein schnelleres Foil mit guter Gleitzahl und Geschwindigkeit mit ggf. guter Kontrolle handeln muss.
Was man aber leider auch immer noch sieht sind Werbevideos, die fast gänzlich auf Fahrsequenzen verzichten oder nicht mehr als Geradeausfahrten zeigen. Wenn ein Hersteller ein Raceboard vorführt und der Teamfahrer damit nicht mal in der Lage ist eine Wende ohne Absetzen vor zu fahren, darf man nicht nur an Qualität und Ausrichtung von Material und Fahrer zweifeln. In manchen Fällen kann das so weit gehen, dass man sich fragt, wer das Foil überhaupt entwickelt und fein abgestimmt hat, wenn die Marke nicht mal fürs Video einen erfahrenen Fahrer auftreiben kann. Aus der Antwort sollte man dann lieber auch seine Konsequenzen ziehen.


Was ist zu beachten, wenn das erwählte Paket zuhause ankommt?
Am besten sollte man das Foil nicht erst am Spot zusammen schrauben, da es selbst heute noch passieren kann, dass eine der diversen Schrauben fehlt ein Gewinde nicht fertig geschnitten oder sonst etwas zu überarbeiten ist. Auch beim Zusammenschrauben ist darauf zu achten, dass an keine Fehler macht. Es gibt immer noch Foils die hier nicht gänzlich Cook-proofed sind, bei denen mal also fuselages verdreht, Flügel verkehrt herum, oder wie mal berichtet wurde gleich das Foil (in dem Fall ein Canard) verkehrtherum montiert und gefahren wurde.
Etwas was man bei 90% aller Foils machen kann und sollte ist, mit einem groben ca. 200er Schleifpapier, die schärfsten Ecken an den meist faserverstärkten Flügelspitzen zu entfernen. Es gibt keinen hydrodynamischen Grund warum die Spitzen eines Ein- bis Aufsteigerfoils einen Radius von 1 cm unterschreiten sollten. Alles unter 1 cm erhöht aber extrem und sinnlos die Verletzungsgefahr. Wenn man noch ein 600-1000er Papier bei der Hand hat, kann man auch gleich noch die Oberseite des Frontflügels matt schleifen und wird dadurch mit einer niedrigeren angenehmeren Abhebegeschwindikgeit belohnt. Auch die Abströmkanten müssen keinen Querschnitt kleiner als 1,0 mm haben. Diese zu überarbeiten sollte man aber mit etwas mehr liebe und nicht unbedingt vor der ersten Fahrt machen, Stichwort: „Pfeifen des Foils“ daher hier erstmal außen vor.

Geändert von Horst Sergio (07.10.2017 um 19:03 Uhr). Grund: Testbericht und Paket ergänzt
Horst Sergio ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 03.10.2017, 20:16   #4
set
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Beiträge: 1.772
Daumen hoch

Daumen hoch, gut erklärt. Was ich noch vermisse, ist das Thema Mastlänge, vielleicht kannst du dazu noch etwas sagen.

Geändert von set (03.10.2017 um 20:48 Uhr).
set ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 03.10.2017, 23:37   #5
Goo
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Daumen hoch

Sehr schöner Beitrag. Etwas was ich vermisst habe. Hätte ich gern gelesen bevor ich angefangen habe. Daumen hoch.
Goo ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 06.10.2017, 10:58   #6
Jafaf
Beschmutzer
 
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Beiträge: 728
Standard

Schöne Arbeit - woher du für sowas die Zeit nimmst

Der Trend geht doch eher zu "NoVolume Boards" ??

Wegen der Masten: In der Welle fahren viele auch nur 70cm Masten, reine Geschmacks und Gewöhnungssache...

Und seid gestern, ja man kann bei fliegendem Wasser foilen
Jafaf ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 07.10.2017, 13:07   #7
ben.9
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Dabei seit: 07/2013
Beiträge: 21
Daumen hoch

Sehr hilfreich und ausführlich, vielen Dank
ben.9 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 07.10.2017, 19:06   #8
Horst Sergio
Mattenfundamentalist
 
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Ort: im Schoße des bayerischen Seenlandes
Beiträge: 1.840
Standard Danke miteinander, habe nochmal 3 Fragen am Ende hinzu gefügt.

.. und ich bin stolz auf oase, dass wir bisher komplett ohne Markennennungen wie: „Aber mein Hersteller XY ist hier ganz anders und allgemein viel besser..“ ausgekommen sind

Zitat:
Zitat von Jafaf Beitrag anzeigen
Der Trend geht doch eher zu "NoVolume Boards" ??
Ja, ich würde aber eher sagen, der Trend geht zu billigeren unproblematischeren Boards und das sind in der Tat häufiger Boards in Snowboard Bauweise, was somit keinen qualitativen Mehrwertsanspruch für diese Boards mit sich bringt.

Zitat:
Zitat von Jafaf Beitrag anzeigen
Schöne Arbeit - woher du für sowas die Zeit nimmst
DIE, ... hab ich geklaut !!!
Horst Sergio ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 14.10.2017, 00:09   #9
Goo
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Dabei seit: 08/2015
Ort: Kritzmow
Beiträge: 45
Standard

Habe den Beitrag nochmal gelesen. Sehr gut. In meinen Augen ist er es wert oben im Forum angepint zu werden.
Goo ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 14.10.2017, 02:28   #10
kitesven
gitano
 
Dabei seit: 12/2001
Ort: meist im womo :)
Beiträge: 12.124
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Standard

Zitat:
Zitat von Goo Beitrag anzeigen
In meinen Augen ist er es wert oben im Forum angepint zu werden.
lusitg, genau das wollte ich auch gerade vorschlagen
ich werd mal den "admin melden" button dafür nutzen.
kitesven ist offline   Mit Zitat antworten
Alt Gestern, 21:39   #11
finistere
*.*
 
Dabei seit: 12/2011
Beiträge: 49
Standard

Danke für den Beitrag!
finistere ist offline   Mit Zitat antworten




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