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Kitesurfen Achtung: Bitte Vorgaben beachten!

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Alt 11.05.2009, 12:06   #1
m.e.
 
Beiträge: n/a
Standard Wie lassen sich Sicherheitsdefizite beim Kiten minimieren?

Mein tiefstes Beileid den Angehörigen von R.I.P., der letzten Freitag in Horst sein Leben beim Kiten lassen musste!

Es fällt mir sehr schwer, vor diesem Hintergrund eine neue Debatte zum Thema Sicherheit beim Kiten anzustoßen, aber ich denke, dass der Tod von R.I.P. und all den anderen tödlich verunglückten Kitern in der Vergangenheit nicht gänzlich umsonst sein sollte - dass er viele von uns wachrütteln muss und das Streben nach Sicherheit weiter vorantreibt.
Blickt man in die noch recht kurze Vergangenheit des Kitesports, durchzieht diese ein roter Faden von schweren Unfällen mit vielen Toten.
Dadurch steht Kiten zurecht in Verruf ein extrem gefährlicher Sport zu sein.
Um dem zu begegnen und v.a. unserer aller Sicherheit und Gesundheit zuliebe müssen von allen Beteiligten die Bemühungen forciert werden, dass derartige aber auch alle anderen kleineren Unfälle künftig möglichst vermieden werden.

Das kann von drei Seiten erfolgen: Technische Sicherheit, Verbesserung der Schulung, mehr Platz.

1. Verbesserung der Sicherheitssysteme!
Bei den meisten Kitern, v.a. den Fortgeschritteneren nimmt das Thema Sicherheitstechnik einen gegenüber der Performance untergeordnetnen Stellenwert ein. Obwohl eigentlich jedem klar ist, dass das Wichtigste beim Kiten die eigene Gesundheit und auch die der anderen ist.
Jeder sollte auf möglichst moderne und v.a. wirkungsvolle Sicherheitstechnik umrüsten. Ältere Kites erfüllen dies oftmals nicht. Wer keine Kohle hat, sich sicheres Material zu beschaffen, der sollte eigentlich garnicht auf's Wasser, da er sich selber und andere und letztlich auch den Fortbestand vieler Spots gefährdet. Im Straßenverkehr gibt's z.B. den TÜV. Wer keine Kohle hat, ein sichers Fahrzeug zu besitzen, darf auch nicht auf die Meschheit losgelassen werden.
Aber auch die Hersteller müssen die Entwicklung effizienter Sicherheitssysteme forcieren. Aber auch hier besteht kein Zwang und das einzige was dies vorantreibt ist letzlich die Nachfrage der Käufer nach möglichst wirkungsvollen Sicherheitssystemen.
Hier sind neben den Herstellern alle in der Pflicht.

2. Bessere Schulung!
Aus eigener Erfahrung kann ich nur sagen, dass meine Schulung vor 3 Jahren zum Thema "Sicherheit" eine ziemliche Nullnummer war. Man war zwar bemüht mich schnell auf's Brett zu bringen jedoch geschah dies ohne allzuviel über die Gefahren und deren Vermeidung aufzuklären.
Das ist ganz klar von Schule zu Schule unterschiedlich, aber wenn ich mir das Verhalten vieler Kiter auf dem Wasser ansehe, kann das Thema Sicherheit und Unfallprävention keinen bleibenden Eindruck hinterlassen haben.
Das Thema Sicherheit in allen Ausprägungen (... dazu gehört auch die Wetterkunde!!!) ist aber ein ABSOLUTES MUSS - das Wichtigste beim Kiten überhaupt!!! Und letztlich auch der Garant dafür, dass nicht noch mehr Spots für's Kiten geschlossen werden.
Viele, gerade junge Kiter, die z.B. nicht die meteorischen Erfahrung jahrelanger Windsurferei auf dem Buckel haben, laufen leicht ins offene Messer wenn sie Sicherheitstechnisch nicht hinreichend vorbereitet werden. "Hinreichend" ist aber ein dehnbarer Begriff, den wohl jeder etwas anders auslegt, der aber insgesamt offensichtlich doch noch nicht hinreichend genug beachtet wird.
Hier sind die Schulen/Verbände in der Pflicht nachzubessern!!!

3. Mehr Platz zum Kiten!
Da den Kitern in vielen Ländern (allen voran den Niederlanden) aufgrund vieler Unfälle leider viele Spots weggenommen wurden, drängen sich an immer weniger verbliebenden Spots eine stetig wachsende Zahl von Kitern.
Dass dies massive Gefahren birgt ist evident.
Wenn man sich die Situation in Mirns ansieht, wo teilweise 70-80 Kiter an einem 5m breiten Sandstrand ins Wasser müssen, dann sind durch derartige Reglementierungen weitere Unfälle geradezu vorprogrammiert.
Hier muss dringend ein Umdenken bei den Behörden erwirkt werden. Auch hier sehe ich die Verbände und Schulen in der Pflicht, sich MASSIV gegen Revierbeschränkungen einzusetzen!

Hat noch jemand weitere Vorschläge?
Bleibt zu hoffen, dass das ganze Brainstorming nicht wieder im Elektronenmeer verschwindet...

Grüße,
Marcus
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Alt 11.05.2009, 12:18   #2
Bazzat
Lord logger
 
Dabei seit: 03/2007
Beiträge: 10.234
Standard

Die oben genannten 3 Punkte sagen, das Dinge geändert/verbessert werden müssten um so mehr Sicherheit zu erlangen.

Ich denke aber jeder ist für seine eigene Safety und für sein Tun zu 100% SELBST verantwortlich.


Daher die Ergänzug:

4. Wenn Unwetter droht lieber einmal mehr vom Wasser gehen. Auch dann wenn es andere nicht tun.

5. Kites nur mit Auslöse(ausweh)system kaufen und sich nicht 100% darauf verlassen das diese auch funktionieren.


Vor Jahren war das Wasser leer, wenn eine Windwolke kam. Heute geht kaum einer mehr runter sondern alles verlässt sich auf massig Depower an modernen Kites und/oder die gute Safety.

Geändert von Bazzat (11.05.2009 um 12:57 Uhr).
Bazzat ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 11.05.2009, 12:50   #3
mattoflat
Benutzer
 
Dabei seit: 07/2004
Beiträge: 882
Standard

Punkte 1.2.4.5. sofort unterschrieben - insbesondere 4. und 5.

Aber Punkt 3. Ist das wirklich ein Sicherheitsproblem? Klar wollen wir mehr platz und mehr spots, aber Mirns wird als idealer Spot für anfänger weiter überlaufen sein, genauso wie Horst. Unfälle unter Kitern sind meinst teuer und ärgerlich, aber die schlimmsten sind eher Wetter- und Spot-bedingt.
Klar will auch ich mehr Spots, aber weil es entspannter ist mit weniger leuten auf dem Wasser zu sein. Mit der Gefahrenkeule als Argument vorzugehen könnte auf uns zurückschlagen nach dem Motto "Ach euer Sport ist gefährlich? Dann verbieten wir ihn halt ganz!"

Punkt 6: Prallschutzwesten und Helme: Ja es sieht scheisse aus - trotzdem: wie in allen Sportarten so auch beim Kiten sind gefährliche Verletzungen immer die am Kopf. Jeder Wakeboardseilbahnbetreiber zwingt aus diesem Grund die Leute für die Ramps nen Helm aufzusetzen. Beim Skifahren/Snowboarden ist es auch normal geworden - Warum nicht bei Kitern? Ich werd meinen ab dem nächsten Tag auf dem Wasser wieder aufsetzen.
mattoflat ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 11.05.2009, 13:32   #4
petair
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Wenn ich ergänzen darf:

Unnötige Risiken vermeiden/ Hirn einschalten!
Dazu gehört:
- Nicht in Flachwasser springen.
- Nicht alleine Kiten gehen.
- usw.

eben die üblichen Sicherheitsregeln befolgen. Und gerade sowas wie hüpfen im Flachwasser ist da die größte Seuche, der sich kaum jemand lossagen kann, ich ertapp mich selber auch zu oft.

grüße

Peter

www.boardway.org
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Alt 11.05.2009, 14:26   #5
jps
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Dabei seit: 02/2009
Beiträge: 82
Standard

Wo wir wieder beim Thema Kurs sind...
Ich hab im September 08 angefangen mit Kiten, bei mir im Kurs wurde die Sicherheit sehr gut erklärt und ich bin dankbar dafür. Trotzdem kann ich hier im Forum oftmals dazulernen, was ich Klasse finde.

Gruss J
jps ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 11.05.2009, 15:26   #6
Der Don
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Dabei seit: 09/2008
Beiträge: 253
Standard

Zitat:
Zitat von m.e. Beitrag anzeigen
1. Verbesserung der Sicherheitssysteme!

Jeder sollte auf möglichst moderne und v.a. wirkungsvolle Sicherheitstechnik umrüsten. Ältere Kites erfüllen dies oftmals nicht. Wer keine Kohle hat, sich sicheres Material zu beschaffen, der sollte eigentlich garnicht auf's Wasser,
Ja, aber eine Kostenfrage ist das ja nicht. Es ist doch nicht der alte Kite, der unsicher ist, sondern möglicherweise die Bar.
Und da kann sich ja jeder für 30 Euro ein funktionierendes System zusammenbasteln auf Basis der vorhandenen Bar. Von Leuten mit Erfahrung abnehmen lassen, bei wenig Wind ausprobieren. Geht doch.
Der Don ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 11.05.2009, 15:58   #7
peligrosso
switchbladed
 
Dabei seit: 07/2004
Ort: Peine bei Hannover
Beiträge: 1.422
Standard Helm

Zitat:
Zitat von mattoflat Beitrag anzeigen

Punkt 6: Prallschutzwesten und Helme: Ja es sieht scheisse aus - trotzdem: wie in allen Sportarten so auch beim Kiten sind gefährliche Verletzungen immer die am Kopf. Jeder Wakeboardseilbahnbetreiber zwingt aus diesem Grund die Leute für die Ramps nen Helm aufzusetzen. Beim Skifahren/Snowboarden ist es auch normal geworden - Warum nicht bei Kitern? Ich werd meinen ab dem nächsten Tag auf dem Wasser wieder aufsetzen.
Wundert mich dass dies immer erst am Ende kommt, obwohl ja so oft Kopfverletzungen die Ursache ist. Klar der Rest kann wie beim Motoradfahren auch passieren, aber warum sträuben sich alle gegen den Helm ( der auch noch nen guten Sonnenschutzfaktor hat

Bei einem Motoradunfall ohne Helm würde auch keiner anfangen zuerst über ABS, andere Reifen, ESP etc. zu diskutieren wenn der Fahrer keinen Helm auf hatte....

peligrosso
peligrosso ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 11.05.2009, 16:33   #8
Surfhombre
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Dabei seit: 07/2004
Ort: Nürnberg
Beiträge: 1.068
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Standard

Es scheitert bei vielen schon mal am Hirn einschalten.

Ich war vor einer Woche in Tarifa, bei richtig ordentlich Levante.
Brutaler, böhiger Wind, relativ volle Spots, Welle.
An den 3 Spots an denen ich war waren wir vielleicht zu zweit mit Helm und vielleicht, je nach Spot, mit Prallschutzweste.

Kam mir fast blöd vor - Schutz jeglicher Art ist da völlig out.

Ein Mädel hats brutal übern Strand gerissen, riesen Geheule aber hauptsache die Frisur sitzt.
Ein Spanier kam mit ner Platzwunde aus dem Wasser gewackelt - da war die Coolness auch dahin.

Lee vor Luv kennt da sowieso keiner.

Riesiges Optimierungspotential
Surfhombre ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 11.05.2009, 16:55   #9
spacex
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Beiträge: 101
Standard

Auch wenn "Wetterkunde" in Punkt 2 schon erwähnt ist, dazu ergänzend vielleicht noch die "Spot-spezifische Wetterkunde".
Soll heissen: Ask your local Wassersportler! Und nicht nur nach Badezonen etc., sondern eben auch nach lokalen Wind- und Wetterbesonderheiten.
Z.B. Pelzerhaken: Bei O-NO draussen drehend und gern mal 8 Knoten mehr als in Strandnähe...
oder Grossenbrode: Alles Böse kommt aus Heiligenhafen Wenn die schwarze Wurst schon über Holy Harbor hängt, kommt sie auch nach GB und wird erst richtig böse - man muss sie nur sehen und glauben - und das Wasser verlassen (wie Bazzat schon ganz richtig sagte); Zeit wäre noch genug.
Aber gerade da versuchen auch immer wieder Depower-Helden, die Sache draussen auszusitzen,-fahren oder-stehen. Schlechte Idee bei auflandigem Wind, der plötzlich mal entspannte 15 Knoten zulegt.
spacex ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 11.05.2009, 22:45   #10
schnuerlzieher
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Dabei seit: 07/2003
Beiträge: 322
Standard

es ist höchst an der zeit, dass endlich mal ein hersteller eine bar mit push-out safety bzw. safety durch loslassen der bar in serie bringt.
Ich habe das hier schon mehrere male gepredigt, aber es gibt sowas leider immer noch nicht, obwohl es seit der erfindung der Bandit-bridle eigentlich ein klax sein sollte sowas zu realisieren (siehe Tigga-prototyp bzw. ein alter thread von mir).
Ich bin mir sicher, dass ein grossteil der schweren unfälle, wie z.b. der aktuelle, damit verhindert oder gemildert werden könnten. Es gibt nunmal keine schnellere denkmögliche auslösung als barloslassen.
Mit oder ohne (durchdrückbarem) stopper ist dann eine andere frage, ich selber bin 2 jahre mit einem 2:1 Switchblade ohne stopper gefahren...geht auch, ist eine reine gewöhnungssache.
Das schnelle loslassen der bar geht schnell in fleisch und blut über... z.b. bei unvermutet starkem zug bzw. beschleunigung, etwa bei einem ungewolltem kiteloop o.ä.

Jörg
schnuerlzieher ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 11.05.2009, 22:54   #11
pingu
lernt fliegen
 
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Zitat:
Zitat von petair Beitrag anzeigen
Hirn einschalten!
that's it
pingu ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 11.05.2009, 23:43   #12
Robin_S
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Dabei seit: 03/2002
Beiträge: 351
Unglücklich Schutzmassnahmen...

Die beste Schutzmassnahme ist nur so gut wie sie auch ein- und aufgesetzt wird (Intelligenz, Helm, Schutzweste, Auslösevorrichtung usw....)

Wir dürfen nicht erwarten dass andere oder der Kite für uns mitdenkt.
Komisch früher gab es kaum Sicherheitsfeatures und schwere Verletzungen waren selten. Man hatte noch Respekt vor Wind, Wasser und der Gewalt der Natur. Entsprechend ging man vorsichtig an die Sache heran...

Durch den "Massensport" der Kiten teilweise geworden ist, hat man manchmal das Gefühl einige betrachten den Sport als Video-Game. Falls man den 3. Schutzengel verliert, kann man es einfach neu starten und von vorne beginnen...

Aber so leicht ist das nicht...
Robin_S ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 12.05.2009, 07:45   #13
pingu
lernt fliegen
 
Dabei seit: 04/2007
Beiträge: 3.553
Standard

Zitat:
Zitat von Robin_S Beitrag anzeigen
Komisch früher gab es kaum Sicherheitsfeatures und schwere Verletzungen waren selten.
Wie kommst du darauf? Silke Gorldt (ach nee, die war ja nicht verletzt, sondern tot), Marlene Brudek (17 Knochenbrüche nach Kollision mit Hauswand, 2002)

Klar gab es weniger Kiteunfälle bei weniger Kitern. (Es gab auch 1512 keine Autounfälle)

Die Sicherheit der Systeme IST wichtig. Aber man muss auch wissen, wie sie funktionieren.

(Aber von Bar loslassen- Kite runter halte ich gar nichts!)
pingu ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 12.05.2009, 08:17   #14
Arne@Lübeck
wieder aktiv
 
Dabei seit: 05/2009
Beiträge: 527
Standard Unfallrisiken

Wie kann ich die Unfallrisiken beim Kitesurfen minimieren?!

Ganz einfach - Ich darf mich nicht in eine solche Gefahrensituation begeben. Eigentlich gebietet doch der gesunde Menschenverstand schon, dass man Gefahrensituationen schon im Vornherein erkennt und diesen aus dem Weg geht.

Leider haben einige Vorredner den Nagel schon auf den Kopf getroffen mit ihren Aussagen.

Z. B. kursierte früher, in den Anfängen des Kitesurfens, die These, dass der Spórt sich seine Aktiven selbst aussucht und selektiert, wer ihn weiter ausübt oder nicht. Das lag einfach am Material. Wer mit dem völlig unausgereiftem Material nicht zurecht kam, hat damals einfach aufgegeben, weil Kiten anstrengend war und sich Erfolge nur mäßig einstellten. Die "natürliche Auslese" bedingte, wer den Sport weiter ausübte. Wem es zu nervig war, das zig malste Leinenpulen oder kilometerweise Höhe zu laufen, der gab es einfach auf.

Das moderne ausgereifte Material bedingt imho tatsächlich, dass Schüler Gefahren nicht richtig einschätzen können bzw zu spüren bekommen. Das hat aber nicht ausschließlich mit dem Material zu tun, sondern auch mit den Vorgegensweisen der Schulen, bei denen Verhalten/Wetterkunde etc. kaum bis gar nicht geschult werden. Schon oft genug habe ich Newbees geraten, doch besser nicht mit dem neuerstandenen 14er EVO aufs Wasser zu gehen, weil der Wind schon recht kräftig war und in der Tendenz zunehmen sollte. Nicht selten war die Antwort darauf: "Beim Kurs hatten wir immer 12er und 14er!" Wie soll ein Neuankömmling so etwas überblicken können, wenn er es nicht richtig lernt.

Weiter zu den Minimierungen der Gefahrensituationen... Kitesurfen ist ein Wassersport. Ich versteh auch nicht die Kiter, die ellenlang mit dem Drachen im Zenit am Strand stehen, gar noch ein paar Probesprünge machen und den halben Strand durchpflügen. Wer den Drachen in der Luft hat, der gehört ins Wasser und zwar schleunigst.

Oft genug habe ich auch erlebt, wie Leute die am Strand stehen und ihr Material auf-/abbauen stur vor sich hin glotzen und gar nichts mehr um sich herum mitbekommen (wollen). Leute die anlanden wollen werden nicht wahrgenommen oder gar ignoriert. So ist es kein Wunder, dass an Spots mit schwierigen Bedingungen unter Land, mal der ein oder andere Drache durch schrahlende Winde und Böen stallt, aufs Wasser oder schon aufs Land fällt und dort u. U. Schaden bei Unbeteiligten verursacht.

I. d. R. bin ich als Kiter immer für mich selbst verantwortlich, nicht meine 100%-Depower, meine Safety oder mein Quickrelease... wer will mir garantieren, dass in Notfallsituationen sein Sicherheitsequipment zuverlässig ist und in jedem Fall funktioniert?! Nicht einmal die Hersteller tun das. Nicht umsonst ist in jedem Nutzermanual die Klausel "Haftungsausschluss" (Using the equipment XY is on your own risk!/Fa.XY ubernimmt durch die Nutzung des Materials für eventuell entstandene Schäden keine Haftung).

Manche Sachen beim Kiten sind eben nicht vorhersehbar, wie zum Beispiel Wetterkapriolen. Die habe ich in meiner 25 jährigen Wassersportkarriere schon oft genug miterlebt. Erst als Segler, dann als Windsurfer und zuletzt als Kiter. Als einer von den erstgenannten sind solche unerwarteten Wetterumschläge immer glimpflich abgelaufen. Als Kiter ist man wesentlich exponierter für solche Geschichten. Wenn es beim Surfen so aufgefrischt hat, dass nix mehr ging, dann hast du dich einfach ins Wasser gelegt und abgewartet. Beim Kiten hast du die A....-Karte gezogen.

An einem schönen Samstag, 4 bf/konstante Wetterlage/kein Umschwung ersichtlich, zog in Pelze ein Wetterfront auf, die sich innerhalb von 3 Minuten über Sierksdorf in Richtung Neustadt bewegte. Nach drei Minuten bogen sich die Pappeln am Leuchturm, als ob es kein Morgen gäbe. Das hatten so ziemlich alle gecheckt und waren in Richtung Land gefahren. Die Landehelfer hatten alle Hände voll zu tun. Vor mir fuhr ein kleines 45 kg Mädel mit einem Best Yarga, damals noch 4 Leinen in 10 qm. Ich selber hatte einen Vegas mit 5 Leinen oben, der war 14 qm groß. Nach einer kurzen Überlegungsphase gab ich dem Mädel den Vortritt zum Landen. Da war die Böe auch schon da. Trotz dem vollgezogenen Adjuster wurde ich gut 3-4 Meter hochgeliftet, wieder abgesetzt und dann habe ich das Quickrelease ausgelöst. Dummerweise verfing sich die Bar in der Centerline und ich wurde 500 Meter durchs Wasser gezogen - 10 Meter unter Wasser und 10 Meter über Wasser im Wechsel. Glücklicherweise waren keine Hindernisse im Weg und die Safety riss, bevor ich in Polen ankam. Das ist für mich ein unvorhersehbares Geschehen.

Vor drei Wochen war ich am Brink rumdaddeln. Netter Wind für nen zwölfer und volle Motivation, weil ich kurz zuvor einige Slimchances und Frontmobes gestanden hatte.

Für die, die das Revier nicht kennen: Es gibt dort einen tiefen Bereich, auf den ziemlich schnell ein Flachwasserbereich folgt. Die Wassertiefe verändert sich innerhalb von wenigen Metern von etwa brusttief auf etwa knöcheltief. An dem Tag konnte man die Tiefe nicht richtig einschätzen, da durch algenbedingte Wassertrübung der Unterschied nicht zu erkennen war.

Da ich recht gut angenagelt war, wollte ich mich zum nächsten SC einmal ordentlich raushauen. Kurz gesagt: Drachen verlenkt, der stand schon am anderen Windfenster, beim Übergeben der Bar ist sie mir aus der Hand gerutscht, auch das Suizid-Einhaken konnte nichts bringen, weil der Drachen eh nicht tragen konnte und ich fiel aus etwa 3 Metern kopfüber ins Wasser, welches mittlerweile nur noch etwa 15 cm tief war.

Was folgt könnt ihr euch denken:

Aufprall, Schmerzen, Kribbeln in den Fingern, Verlust der Sehfähigkeit.

Krankenhaus, Röntgen, Wirbelfehlstellung, eventuell Fraktur oder Nervenverletzung?! Aussage der Ärzte: "Herr XY eigentlich dürften sie nicht mal mehr stehen können!" Sofort immobilisiert, fünf Tage großes Bangen, Tränen, echt miese Gedanken. Gut, bei mir stellte sich relativ schnell ein, dass ich meine Extremitäten bewegen konnte und sämtliche Beschwerden noch am ersten Abend verflogen.

Erst ein MRT und ein CT konnten die Gewissheit bringen, dass ich Glück im Unglück hatte und eine Dummheit (Petair sprach sie bereits an: Springen im flachen Wasser) mit richtig miesen Schmerzen, statt mit meinem Leben oder einem Querschnitt bezahle.

Das oben geschilderte Geschehen, nenn ich menschliches Versagen und es war definitiv vermeidbar!!

Bitte lernt aus meinem Fehler - Minimiert Euer Risiko!

Vielen Dank nochmal an den Fahrer mit dem weissen Helm und dem Fuel, der sofort zur Hilfe gekommen ist!
Arne@Lübeck ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 12.05.2009, 10:41   #15
tilmann
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Zitat:
Zitat von schnuerlzieher Beitrag anzeigen
es ist höchst an der zeit, dass endlich mal ein hersteller eine bar mit push-out safety bzw. safety durch loslassen der bar in serie bringt.

gabs mal von F-one, hat genervt ohne Ende, da ständig Fehlauslösungen
tilmann ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 12.05.2009, 14:06   #16
schnuerlzieher
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was ich meine hat mit der ehemaligen f-one push-out bar nichts zu tun.
...dort hat man durch das wegstossen eine art quickrelease ausgelöst, was wohl auch unabsichtlich passieren konnte und ausserdem wieder zusammengebaut werden musste.(ocean rodeo hatte das noch früher)
Was ich meine, ist ja schon ansatzweise bei cabrinha realität, wo der kite (besonders die alten 2:1) durch barloslassen relativ stark depowert bzw. muss man dazu einen stopper durchstossen, den man aber nicht unbedingt aktivieren muss, z.b. bei grenzwertig gefährlichen bedingungen.
In zusammenwirken mit einer IDS- oder Bandit EVO-bridle würde der kite halt nicht, wie beim Cabrinha, teilweise depowern, sondern gleich ganz in den pseudo-fünfteleinemodus fallen....wobei man zum weiterfahren nichts zusammenbauen muss, sondern nur die bar heranziehen.
Ich halte ein derartiges system für die zukunft, bin mir fast sicher dass die innovationsführer wie F-one und Cabrinha an etwas derartigem basteln...mich wundert allerdings wie lang es schon dauert.

Jörg
schnuerlzieher ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 12.05.2009, 14:22   #17
kite-lessons.de
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Bin auch für "Hirn einschalten"
kite-lessons.de ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 12.05.2009, 18:10   #18
tilmann
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Zitat:
Zitat von schnuerlzieher Beitrag anzeigen
was ich meine hat mit der ehemaligen f-one push-out bar nichts zu tun.
...dort hat man durch das wegstossen eine art quickrelease ausgelöst, was wohl auch unabsichtlich passieren konnte und ausserdem wieder zusammengebaut werden musste.(ocean rodeo hatte das noch früher)
Was ich meine, ist ja schon ansatzweise bei cabrinha realität, wo der kite (besonders die alten 2:1) durch barloslassen relativ stark depowert bzw. muss man dazu einen stopper durchstossen, den man aber nicht unbedingt aktivieren muss, z.b. bei grenzwertig gefährlichen bedingungen.
In zusammenwirken mit einer IDS- oder Bandit EVO-bridle würde der kite halt nicht, wie beim Cabrinha, teilweise depowern, sondern gleich ganz in den pseudo-fünfteleinemodus fallen....wobei man zum weiterfahren nichts zusammenbauen muss, sondern nur die bar heranziehen.
Ich halte ein derartiges system für die zukunft, bin mir fast sicher dass die innovationsführer wie F-one und Cabrinha an etwas derartigem basteln...mich wundert allerdings wie lang es schon dauert.

Jörg
vielleicht kriegen sie ja das typische 5te-Leine-Problem nicht in den Griff: daß nämlich bei Sturm der Kite auf immer und ewig halbhoch rumflattert und einfach nicht runterkommen will

Noch was ist mir aufgefallen: die Hersteller überbieten sich momentan ständig mit Kites, die noch früher losgehen und noch mehr Leistung aus noch weniger Fläche rauskitzeln und noch schneller drehen. Daß solche High-Performance-Geräte bei richtigen Hackbedingungen auch ganz schön zickig werden können, ist dann die Kehrseite der Medaille.
tilmann ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 13.05.2009, 08:46   #19
jonnnnny
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DU bist DEINE sicherheit.
jonnnnny ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 13.05.2009, 10:47   #20
IngoB
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Kann eigentlich allen (fast allen) hier zustimmen, daß
1. die Schulen in die Pflicht genommen werden müssen. (meiner Erfahrung nach möglichst nach 2 Tagen aufs Brett, Theorie und Sicherheit eher zweitrangig...)
2. Die Kiter selbst ihren gesunden Menschenverstand einschalten sollten. (Wenn Sturmböen angesagt sind, und oder eine schwarze Wand am Himmel aufzieht, könnte man schon auf die Idee kommen, mal anzulanden und zu schauen, wie es sich entwickelt...)
und 3. Finde ich auch die gegenseitige Hilfe, Rücksichtnahme und Aufmerksamkeit sehr wichtig.

Apropos Sicherheitssysteme:

Ich frage mich des öfteren warum es eigentlich kein Trapez mit Notöffnung gibt, so für den allerletzten Fall ( Quickrelease öffnet nicht, oder sonstiges)?
Gibt es dazu seitens der Hersteller eigentlich Überlegungen ?
IngoB ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 14.05.2009, 13:19   #21
spacex
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Vor Einführung (einigermassen) zuverlässiger Quickrelease-Systeme am Chickenloop gab es mal einige Versuche mit "klappbaren" Trapezhaken, so ca. vor 6/7 Jahren und, ich glaube, von Pro Limit und Solid.
Ist meines Wissens aber alles wieder verschwunden; ob das jemals funktioniert hat oder hätte (dass der Chickenloop trotz Chickendick dann nach oben/vorne rausrutscht) - keine Ahnung...
Trapeze mit QR gibt es , soweit ich weiss, nicht; gefragt habe ich mich das auch schon: So geil das Prinzip z.B. beim Naish Elite und anderen neueren Naish-Trapezen auch ist - unter Last wird man das Trapez niemals los.
spacex ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 14.05.2009, 19:38   #22
IngoB
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Beiträge: 108
Standard

Zitat:
Zitat von spacex Beitrag anzeigen
Trapeze mit QR gibt es , soweit ich weiss, nicht; gefragt habe ich mich das auch schon: So geil das Prinzip z.B. beim Naish Elite und anderen neueren Naish-Trapezen auch ist - unter Last wird man das Trapez niemals los.
Genau deshalb habe ich mich gefragt, ob da nicht drüber nachgedacht wird...
Beim Versagen des Quickreleases wäre es doch das naheliegendste, daß man komplett das Trapez mit abwirft als absolute Notlösung. Braucht ja nur Sand das Release zu verklemmen... und ich glaube nicht daran, daß in einer solchen Notsituation jemand an das Leinenmesser denkt, daß noch nichtmal an jedem Trapez zur Ausstattung gehört.
IngoB ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 14.05.2009, 20:23   #23
Hini
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Beiträge: 4
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Ich bin der Meinung, dass das Problem mit der Schulung schon anfängt. Bin gerade erst angefangen zu kiten und habe eine super Schulung bekommen. Auch was das Wetter betrifft. Was mir im nachhinein auffällt ist, dass die meisten sich lieber meterweit durchs Wasser ziehen lassen, bevor sie mal auslösen. Habt Ihr das nicht gelernt? Oder ist das Uncool? Lieber verletzten, andere behindern als Leinen zu sortieren. Habe schon mehrfach gehört, dass auch VDWS Schulen die Lizenz einfach ausstellen, obwohl die Leute nicht einen Meter gefahren sind. Die gehen dann los, leihen sich Stuff, haben nicht mal den Kite richtig unter Kontrolle und schon ist das Problem da. Ich habe länger als 2 Tage aufs Brett gebraucht, behaupte aber, dass sich sicher den Kite im Griff habe und das ist doch Wichtiger, gelle!!!!
Hini ist offline   Mit Zitat antworten




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